Aha! & Zickosan: Krisenmanagement auf besondere Art – eine Fallstudie

6. Juli 2009 von Dr. Bernd Skorpil

Die Werbebranche gilt als Seismograph der Wirtschaftslage. Bei einem Einbruch der Konjunktur, der wie ein Erdbeben über uns kam, schlägt dieser besonders weit aus. Schon im Oktober 2008, kurz nach der Pleite der „Lehman Brothers“, kündigten die großen Unternehmen an, ihre Werbeetats zu reduzieren, um so effiziente Kostensenkungen zu erreichen.

Für die Aha! Agentur für Handelsmarketing GmbH in Köln, als eigentümergeführtes Unternehmen, welches von seiner besonderen Beziehung zwischen Geschäftsführung und Mitarbeitern lebt, brachen schwere Zeiten an. Die namhaften Kunden des auf Handelsmarketing spezialisierten Unternehmens, wie die Carl Kühne Kg, GoodyearDunlop, Runnerspoint und Unilever kürzten die Budgets für 2009 um bis zu 30%, so dass akute Insolvenzgefahr am Ende des nächsten Jahres drohte. Dabei versicherten alle Kunden der Agentur ihre absolute Zufriedenheit mit der Arbeit der Aha! und versprachen Treue in der Krise.

Dr. Bernd Skorpil, Gründer des Unternehmens, begann sofort Maßnahmen einzuleiten um die Krise sicher zu  umschiffen. Zu seinen ersten Schritten gehörten die Kürzung der Gehälter der Geschäftsführung um 10% und die Nachverhandlung bei Mieten und anderen Fixkosten. Dabei mussten die Mitarbeiter keinerlei Einbußen hinnehmen. „Unsere Mannschaft hat nichts mit der Krise zu tun. Wir alle arbeiten hart und haben gute Arbeit geleistet, deswegen versuchen wir unser Bestes um die Mitarbeiter zu halten und sie die Krise nicht spüren zu lassen.“, so der Geschäftsführer.

Als guter Unternehmer weiß Dr. Skorpil aber, dass ohne Investition keine Chance auf Besserung besteht. Aus diesem Grund beließ er es nicht bei der Kostensenkung und demHoffen auf bessere Zeiten, sondern ging aktiv mit einer Reihe von innovativen Ideen nach vorne.

Zunächst wurde ein Telefonakquise-Spezialist engagiert, um potenzielle Neukunden zu gewinnen. Flankiert wurde diese Maßnahme durch gezielte Auswertung von Xing-Profilen und die Suche nach passenden Ansprechpartnern auf der Kundenseite. Ebenfalls setzte Dr. Skorpil auf die Hilfe einer Public Relation Spezialistin, die die Bekanntheit der Agentur Aha! durch Interviews und Berichte weiter steigerte.

Natürlich wurden all diese Investitionen mit Augenmaß getätigt und gefährden den Etat des Unternehmens nicht zusätzlich. Als Werbeagentur predigt man seinen Kunden gebetsmühlenartig, dass gerade in schlechten Zeiten die Werbung nicht zurück gefahren werden darf, sondern dass genau in solchen Situationen Chancen liegen. Da Dr. Skorpil und das gesamte Aha! Team Marketing leben, haben sie sich dies besonders zu Herzen genommen und eine große Werbeoffensive für sich selber gestartet.

Frei nach dem Motto: „In Krisenzeiten hat niemand etwas zu lachen“, wurde die aktuelle Lage in der Wirtschaft analysiert. „Die Stimmung in den Unternehmen ist gedrückt. Der Kampf um den Arbeitsplatz macht so manche Freunde zu Feinden. Eine Gemengelage dieser Art schwächt die Motivation aller Mitarbeiter. Seit langem schon weiß die Forschung um den Zusammenhang von Motivation und Produktivität.“, so Dr. Skorpil mit der Zusammenfassung der Ausgangslage. Und so zogen er und sein Team den einzigen sinnvollen Schluss: Wenn Deutschland nichts zu lachen hat, helfen wir der guten Stimmung eben auf die Sprünge. Kurzerhand entwarf die Agentur Aha! das dafür passende Produkt: „Zickosan – Sympathieerreger gegen Zickigkeit und Zickenbefall“.

So heißt es im Beipackzettel des „Präparates“: „Zickosan ist ein Breitband-Therapeuticum gegen Herumzicken und Zickenbefall zu Hause und am Arbeitsplatz. Zickosan reguliert das jeweils individuelle Stresslevel auf das Niveau einer Parkuhr und entfaltet seine volle Wirkung bei emotionalen Überreaktionen und dysfunktionaler Kompetenz und Inkompetenz. Zickosan ist der erste systematische Beitrag zu einem kollektiven Wohlfühlgefühl.“ Zickosan mildere etwa bei Erwachsenen unter anderem „den Neid auf die Beförderung des Kollegen, Killer-Instinkte, die durch Telefoncomputer in der Servicewüste geweckt werden, Missgunst gegen Manager-Gehälter und Konjunkturpakete sowie die Wut über die Einschätzung eines Vorgesetzen.“

Zickosan wirkt in seiner blau-weißen Verpackung wie die realen Medikamente aus der Apotheke und präsentiert sich auf einer eigenen Homepage (www.zickosan.de). Die ersten Reaktionen von Kunden und der Presse sind berwältigend: Durchweg wird die positive Wirkung von „Zickosan“ bestätigt. „Lachen ist die beste Medizin“, sagt Agentur Chef Dr. Bernd Skorpil. „Spannungen und Aggressionen infolge von Gefahr, lösen sich beim Lachen in Luft auf. Zudem ist Lachen auch ein Ausdruck positiver Gefühle. Es hat einen sozialen Effekt, indem es den Zugang, den Kontakt und die Nähe zu anderen Personen erleichtert sowie Stress und Angst reduziert. Darüber hinaus steigert Humor die Immunabwehr, löst Muskelverspannungen, senkt den Blutdruck und verringert Schmerzen.“

Die Einführung brachte allerdings nicht nur die beworbene Sympathie, sondern auch handfeste Ergebnisse:

* Zickosan ausverkauft nach drei Wochen
* 8000 Zugriffe auf die Website Zickosan pro Tag
* Anfragen von Apotheken nach dem Produkt
* Berichterstattung in RTL, Kölner Express, Antenne Thüringen
* Auszeichnung durch Bundesminister Karl-Theodor zu Guttenberg
* Krisenmanager 2009

Das bewiesene Kreativ-Potenzial ließ neue Kunden anklopfen und man steht kurz vor den Vertragsunterzeichnungen.

Trotz dieses Erfolges galt für den Chef der Agentur „an Schlaf war in dieser Zeit nicht zu denken“. Ständig getrieben von der Sorge um die 25 Arbeitsplätze und die vielen Familien, die dahinter stehen, ließ Dr. Skorpil nicht locker und investierte zusätzlich noch in eine Kampagne im Bereich des viralen Marketings. Durch einen Werbespot, der mit einem Augenzwinkern die Vorteile der Zusammenarbeit mit der Aha! erklärt, konnten weitere potenzielle Kunden angesprochen werden. Auch hier bewies die Aha! wieder ihre Innovationskraft und kommunizierte komplett über YouTube. (http://www.youtube.com/watch?v=sMHU3RR8Knw)

Die von Aha! eingeleiteten Maßnahmen haben durchschlagenden Erfolg. Momentan geht die Geschäftsführung davon aus, am Ende des Jahres eine „schwarze Null“ zu Buche stehen zu haben. Das Beherzigen der eigenen Leitideen und die Rückbesinnung auf Unternehmertugenden navigiert die Aha! nicht nur durch die aktuelle Krise, sondern steuert auch direkt auf die aufgehende Sonne am Horizont zu – deswegen sind Dr. Bernd Skorpil und seine Mannschaft meine „Germanys Next Top Krisenmanager“.

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