Handelsmarketing in der (Finanz-) Krise?

11. Mai 2009 von Dr. Bernd Skorpil

Ja, das Handelsmarketing steckt in der Krise! Nein, das Handelsmarketing steckt nicht in der Krise! Richtig sind beide Aussagen. Natürlich hat die Finanzkrise auch den Handel erfaßt und wird ihn auch noch stärker in den Würge-Griff nehmen. Denn auf der Seite der Konsumenten, der Haushalte, ist die Krise ja noch gar nicht angekommen.  Aber sie kommt!

Was wiederum damit zusammenhängt, daß die Krise den Arbeitsmarkt auch noch nicht in vollem Umfang erreicht hat – Kurzarbeit sei Dank. Die Frage ist nur, wie lange die öffentlichen Haushalte diese Doppelbelastung noch ertragen:

• die Kredit- und Bürgschaftsgewährung bei den Banken sowie der Konjunkturpakete einerseits, und
• die Kosten für Kurzarbeit und drastisch einbrechende Steuereinnahmen anderseits

    Die Krise wird den Arbeitsmarkt, die öffentlichen und die für den Handel so wichtigen privaten Haushalte, die Konsumenten, die Kunden also, erst in der zweiten Jahres-hälfte und dann in 2010 voll erreichen.

    Es gibt für den Handel Wege aus der Krise! Nicht das Handelsmarketing steckt in der Krise. Nein, wenn überhaupt, dann verschiedene Handelsunternehmen, die die Chancen nicht nutzen, die das Handelsmarketing bietet.

    Der Handel wrackt ja inzwischen alles ab, was sich nicht wehren kann oder schnell genug auf den Bäumen ist. Von Pkw’s bis zur weißen Ware. Mit anderen Worten, und das zeigt dieses Thema, muß man auf aktuelle Ereignisse und kurzfristige Trends rasch reagieren. An solchen Entwicklungen muß man im Handelsmarketing teilhaben! Denn gerade in der Krise gilt: nicht die Großen schlagen die Kleinen, son-dern die Schnellen die Langsamen!

    „Abwracken“ ist sozusagen eine Aktionsinnovation. Der grundlegende Aktionsme-chanismus, nämlich „alt gegen neu“ ist an sich nichts Neues. Es gab schon immer Aktionen, wo ein Bonus für die Rückgabe von Altware beim Kauf eines neuen Pro-duktes gezahlt wurde. Nur die kreative Aktionsumsetzung in „Abwrackprämie“ ist neu. Und wurde von der Politik initiiert. Doch der Handel profitiert davon, speziell der Automobilhandel.

    Gegen die Krise sind Unternehmen also dann gut gewappnet, wenn sie schnell auf Trends reagiert und Innovationen schnell umsetzt. Am besten, wenn das Unterneh-men selbst zum Trendsetter wird, im reinsten Sinne des Wortes die Trends selber setzt.

    Abgesehen von den o.g. Aktionsinnovationen spielen aber gerade in der Krise zu-nehmend auch langfristig orientierte Innovationen eine große Rolle. Schlagworte wie RFID, Self-Scanning, elektronische Displays usw. beschreiben die vor uns stehende Revolutionierung des Handels am besten. Ende der 40iger, Anfang der 50iger war es das Aufkommen der Selbstbedienung in Deutschland. Dann in den 70igern und 80igern kam das Discountprinzip. Und seit 2000 „elektrisiert“ sich der Handel mehr und mehr. Die 3. Generation Handel kommt auf uns zu! Da war der Internet Hype mit seinen Webshops und eCommerce erst der Anfang.

    Der nächste Schritt der elektronischen Effizienzsteigerung erfolgt im Laden selbst. „Wasserdichte“ Warenwirtschaftssysteme werden mit der breiten Einführung von RFID Systemen Wirklichkeit. Das Fräulein an der Kasse wird ersetzt durch Aus-checksysteme, die von den Kunden selbst bedient werden. Und damit kann sich das ehemalige Fräulein an der Kasse jetzt anderen Aufgaben widmen, z.B. Kunden fach-gerecht beraten statt stupide Zahlen eintippen oder mit dem Scanner herumfuchteln.

    Elektronische Displays werden ebenfalls zur Effizienz beitragen. Das Personal im Laden wird immer weniger damit beschäftigt sein, Papier und Pappen für Aktionen aufzubauen und aufzuhängen. Elektronische Systeme lassen sich heute sozusagen „remote“ beschicken, d.h. neue, wechselnde Inhalte können via Internet oder ganz allgemein „Funk“ übermittelt werden.  Also: auch diese Heerscharen von Helfern im Laden können zu Beratern weitergebildet  und zur Steigerung der Service- und Bera-tungskompetenz des Handelsunternehmens besser genutzt werden. Zentral gesteu-erte, elektronische Displays werden die Rolle von Paper und Pappe übernehmen. An strategisch wichtigen Stellen im Laden aufgestellt dienen sie der Information der Kunden über Produkte, Preise und Aktionen. Und leisten ganz nebenbei einen nicht zu verachtenden Beitrag zur Umweltfreundlichkeit, weil eben Papier und Pappen wegfallen.

    In der Krise gilt: jetzt damit anfangen, innovieren, starten, um für die Zeit nach der Krise gewappnet zu sein. Denn die Schnellen fressen die Langsamen.

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